Über die Marionetten zum »Triadischen Ballett«

Marianne und Kurt Erbe
Die Schöpfer der Marionetten stellen sich vor.

Wir möchten uns Ihnen kurz vorstellen, damit Sie wissen, wer die Fäden in der Hand hält. Wir sind seit über 30 Jahren verheiratet und haben während unseres gemeinsamen Lebens immer viel Freude an selbstgefertigten Dingen gehabt. Nach verschiedenen Hobbys, wie Töpfern, Zeichnen, Batiken usw. fanden wir beim Marionettenbau die Möglichkeit, unsere verschiedenen Interessen und Fähigkeiten in künstlerischer Hinsicht zu vereinen. 

Angefangen hat alles im Herbst 1983 mit einem Marionettenbaukurs bei der VHS Oberhausen (Kursleiter: Ludger Mels, Marionettenbühne Klappmaul), den wir beide besuchten. Um unsere Fähigkeiten im Marionettenbau und -spiel verbessern zu können, besuchten wir Seminare am Deutschen Institut für Puppenspiel (DIP) in Bochum und bei der Rheinischen Arbeitsgemeinschaft für Puppenspiel im Bezirk Düsseldorf. 

Ende 1984 traten wir das erste Mal mit unserer Eigenkomposition „Circus-Varieté an Fäden“ öffentlich auf. Mit diesem Programm wollen wir Jugendliche und Erwachsene ansprechen. In dem 45-minütigen Unterhaltungsprogramm treten Tänzerinnen und Tänzer, ein Gewichtheber, ein kluger Esel und viele andere Figuren aus der Welt des Circus-Varietés auf. Beim „Circus-Varieté an Fäden“ stehen weniger Texte, sondern mehr Musik und Bewegung im Vordergrund.

Leonore Prilipp
Die Sammlerin aus Bochum spricht über die Marionetten, die sie in ihre Sammlung aufnahm.

Marionetten von Marianne (1936-2014) und Kurt Erbe (1927-2015)

In der Zeitschrift Die Spielleiste Jahrgang 1996 wurde auf eine Ausstellung „Figurentheater – von den Anfängen bis heute“, die im Bilderbuchmuseum der Stadt Troisdorf, Burg Wissem, stattfand, hingewiesen. Die Ausstellung zeigte Puppen aus der Privatsammlung K. H. Rothers, als Leihgaben interessante Metallmarionetten von Heinrich Kneip und Marionetten von Marianne und Kurt Erbe, die das „Triadische Ballett“ nach Oskar Schlemmer darstellten. Diese Marionetten wurden zum ersten Mal in der Öffentlichkeit gezeigt. War die Präsentation der Figuren, besonders in der Remise sonst sehr gelungen, so drängten sich hier die Figuren in einer Ecke und kamen so leider nicht zu der Wirkung, die sie verdient hätten, denn die Umsetzung von Oskar Schlemmers achtzehn Figuren als Marionetten an Fäden ist meines Erachtens sehr beachtlich. 

Was veranlaßte ein Ehepaar, Amateure im Figurentheater, drei Jahre lang ausgerechnet diese, doch sehr abstrakten, Figuren als Marionetten zu bauen, deren Konstruktion und Bau zudem sehr aufwendig und schwierig ist?

„Angefangen hat alles im Herbst 1983 mit einem Marionettenbau-Kurs bei der Volkshochschule Oberhausen,“ erzählt Marianne Erbe, von Beruf Schulsekretärin, „zu der wir uns mit unserem Sohn angemeldet haben, da wir schon immer Freude an selbstgefertigten Dingen hatten.“ Angeregt durch den Kurs wurde zuhause weitergebaut. Da Kurt, von Beruf Maurermeister, frühpensioniert war, baute er in seiner freien Zeit leidenschaftlich Marionetten.

Ein einschneidendes Erlebnis für das Ehepaar Erbe war der Besuch einer Aufführung von Albrecht Rosers Szenenprogramm „Gustav und sein Ensemble“. 
„Wir können doch mit unseren Marionetten auch ein Szenenprogramm, ein buntes Zirkusprogramm machen!“, war anschließend ihre Meinung. So entstand das „Circus-Varieté an Fäden“, mit dem die Erbes dann öffentlich auf Straßenfesten, bei Familienfeiern, in Kindergärten und Schulen und in der Stadtbücherei Oberhausen auftraten. 

Schon bald genügten diese recht einfachen Marionetten jedoch nicht mehr ihren Ansprüchen. Sie wollten neue Anregungen erhalten, die Technik verbessern, das Spiel vervollkommnen. Dies gelang ihnen durch Seminare am Figurentheater-Kolleg  Bochum und bei der Rheinischen Arbeitsgemeinschaft für Puppenspiel im Bezirk Düsseldorf. 

Sie lernten die Schleudermarionette,  die Ganzmarionette mit anspruchsvollen Gelenken und das Führungskreuz von Fritz Herbert Bross kennen und bauen.

Um Albrecht Rosers Marionetten mit dem nun erworbenen Fachwissen neu und bewußt erleben zu können, fuhr das Ehepaar nach Stuttgart und sah sich „Gustav und sein Ensemble“ noch zwei Mal begeistert an. In der Zeit zwischen den Vorstellungen gingen sie in die Staatsgalerie.

Wer sich mit Oskar Schlemmer beschäftigt hat, weiß, dass er am 4. September 1888 in Stuttgart geboren wurde. An der Stuttgarter Akademie war er Meisterschüler und 1922 fand in Stuttgart die Uraufführung seines „Triadischen Balletts“ statt. Heute sind sechs der Kostüme als Dauerleihgabe in der Staatsgalerie zu sehen. Das Ehepaar Erbe begeisterte sich spontan für die klaren Formen der Figuren, und so entstand der Wunsch, das gesamte „Triadische Ballett“ mit Marionetten zu gestalten. Um sie professioneller bauen zu können, belegten sie Kurse bei Jürgen Maaßen, dem bekannten Düsseldorfer Figurenbildner. Nach Zeichnungen, Skizzen, Fotos und Beschreibungen der Kostüme entstanden die Marionetten. Die Vorlagen mußten maßstabgerecht vergrößert werden, geeignetes Material gesucht und gefunden werden (Holz, Styrofam, Draht, Pappmaché), entsprechende Gelenke gebaut und Kaschiertes bemalt werden. 

Von 1987 bis 1990 gestalteten sie 18 Figuren, manchmal auch mit Frust, denn es funktionierte nicht alles, wie man es sich gedacht hatte.

Angeregt durch den Film „Das Triadische Ballett“ (Bavaria Atelier München 1969 mit Musik von Erich Ferstl) und die Live-Aufführung in der Musikhochschule in Köln mit Musik von Hans-Joachim Hespos, entstand die Idee, ein Video zu drehen.

Vom Komponisten erhielten sie eine Aufnahme der 1976 für die Berliner Festwochen geschriebenen Musik „Das Triadische Ballett“, mit der Erlaubnis, sie für private Zwecke zu verwenden. Das Video wurde hergestellt, was sie sie sich vorgenommen hatten, war erreicht. Der Kreis war geschlossen. Was Erbes sich vorgenommen hatten, hatten sie erreicht.

Nur einmal wurden diese interessanten Marionetten in der Öffentlichkeit gezeigt.

Ich denke, daß sie es wert sind, nicht nur ausgestellt, sondern auch gespielt zu werden. Oskar Schlemmer wollte, daß sich seine Tänzer im Dreiklang von Musik, Bewegung und Raum präsentieren. Ich wünsche mir fur diese Marionetten das gleiche.